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Rad-Reportagen Schwarzwald

Trans Schwarzwald-Tagebuch von Stefan Röschl (Kross-Racing-Team Haspel)

28.07.2006

Veranstaltung:
Vaude Trans Schwarzwald (Pforzheim - Murg-Niederhof) | Mo, 24.07.2006 - Sa, 29.07.2006

5. Tag, Samstag, der 29.07.2006 | Grafenhausen – Murg Niederhof

Sodele, jetztatle

Wenn ich geahnt hätte, dass meine Freundin Bianca hier in Murg-Niederhof im Ziel auf mich gewartet hat, wäre ich bestimmt schneller gefahren. Schöner kann eine Zieleinfahrt nicht sein!
Aber jetzt erst noch mal zum Rennen. Heute war noch mal Neutralisation angesagt, 7 km und wieder mal etliche Höhenmeter. Wie viele genau weiß ich noch nicht, denn die obligatorische Pulsuhrauswertung habe ich heute noch nicht gemacht. Hat ja auch noch Zeit.
Die Rennstrecke war heute sehr angenehm zu fahren, ein relativ hoher Asphaltanteil und keine langen Anstiege mehr. Topografiemäßig wie bei mir zu Hause im Kraichgau, nur dass wir einen Blick auf die Alpen hatten und nicht auf die Rheinebene.

Vom Start weg haben wir es heute eher gemütlich angehen lassen, wir haben uns ein bisschen ins Feld gemischt und die ein oder andere Stimme eingefangen. Die meisten Mitstreiter waren sehr froh, dass heute die letzte Etappe war. Viele sind doch mit einer anderen Vorstellung vom Schwarzwald an den Start gegangen. Die Anstiege sind hier zwar nicht so lang wie in den Alpen, aber die Summe macht die Musik. Alle, die heute ins Ziel gekommen sind, können wirklich stolz auf sich und ihre Leistung sein.

Auch ich bin froh, dass ich die 5 Tage rum habe. Ich glaube morgen fahre ich mal kein Rad, streiche Nudeln von der Speisekarte und rühre nie Isogetränke an ;-)
Zwischendurch bin ich mir vorgekommen wie Matze Kessler – da bin ich doch tatsächlich mit dem Rad über die Leitplanke, allerdings vollkommen kontrolliert. Und zwischendurch musste ich sogar mal bergauf schieben, weil ich vor lauter Blödsinn machen von einem größeren Stein gerutscht bin.
Wie gut, dass mein Trainer mir vorher schon Lauftraining aufgebrummt hat. Das waren aber die einzigsten Schwierigkeiten mit denen ICH zu kämpfen hatte (bei unserem Tempo habe ich meine Rippen nicht so richtig gespürt). Wolfgang sieht das wahrscheinlich anders. Ich traue mich ja fast nicht mehr sein Knie zu erwähnen. Schon heute Morgen beim Aus-checken war ein deutliches Humpeln zu sehen. Eigentlich brauche ich jetzt nicht weiter reden. Egal, ob langsam oder schnell wehgetan hat es immer und das richtig. Ab heute dürft ihr ruhig Wolfgang die Daumen drücken, dass er die Sache schnell wieder los kriegt, dieses Jahr…

Ach ja, meine gestrige Nachtschicht hat sich auch rentiert, Hannes und Andreas haben den Sack zu gemacht und mit deutlichem Vorsprung den Tages- und Gesamtsieg erkämpft.
Mein persönliches Resümee fällt also definitiv positiv aus, auch wenn unsere Platzierung nicht ganz unseren Möglichkeiten entspricht. Aber das Leben ist ja auch kein Wunschkonzert.
Apropos Konzert, gleich fängt auf der Bühne die After-Race-Party mit Siegerehrung und Band an, und zudem wird jetzt endlich mal was ungesundes zu essen fällig, ich denke da an eine riesen Portion Pommes und ein Schnitzel dazu.

Bis denne, Euer Stefan

PS. Danksagung an alle, die an mich/uns gedacht haben und alle die mich vor Ort tatkräftig unterstützt haben (unseren Dieter, Gaby und Norbert vom www.schwarzwald-bike.de und alle die uns bei unseren großen und kleinen Problemen geholfen haben).

Mille Grazie!!!



4. Tag, Freitag, der 28.07.2006 | Engen-Grafenhausen

Guten Tach, erstmal.
Da bin ich wieder. Zwischendurch habe ich selbst manchmal nicht daran geglaubt.
Nachdem uns gestern ja das Glück verlassen hat, haben wir heute Bekanntschaft mit dem Pech gemacht.
Wolfgangs Knie hat schon beim Verlassen der Pension leicht wehgetan, sein Rad hat auch Probleme gemacht und ich habe leider auch feststellen müssen, dass mich der Sturz von gestern mehr ramponiert hat als ich wahr haben wollte. Die Sache mit dem Atmen unter Belastung funktioniert irgendwie nicht so richtig, ich habe zwar keine starken Schmerzen, aber trotzdem geht nicht genügend Luft in die Lunge. Ziemlich ungeschickt beim Ausdauersport. An dieser Stelle möchte ich meinem Kollegen Thomas herzlich grüßen und ihn schon einmal darauf vorbereiten, dass ich ihn wahrscheinlich nächste Woche beanspruchen muss.
Heute war die Aufwärmphase sehr kurz, nicht mal eine 1/4 Stunde. Nach dem scharfen Start ging dann auch gleich richtig die Post ab. Überrascht war ich aber nicht, denn bei 66 km Renndistanz mit gerade Mal ca. 1500 Höhenmetern war Vollgas fahren angesagt.
Da bei mir von Anfang an sprichwörtlich die Luft raus war und Wolfgang über zunehmende Kniebeschwerden klagte, einigten wir uns darauf die Etappe als Radtouristiker zu beenden. Entsprechend viel Zeit hatte ich auch mich ein bisschen umzuschauen, die Strecke ging hauptsächlich über Felder und Wiesen, regionstypisch mit vielen kurzen und kleinen Anstiegen bespickt. War aber fahrtechnisch eher einfach. Das kam uns aber in unserer heutigen Situation sehr gelegen.
Trotzdem kamen wir überraschenderweise im Mittelfeld mit etwa einer 1/2 Stunde Rückstand auf die Jungs von ALB-GOLD ins Ziel nach Grafenhausen. Unsere Ambitionen fürs Gesamtklassement in den Top-Ten haben wir allerdings begraben.
Bemerkenswert ist die freundliche Unterstützung von Mechaniker Marco, der uns zumindest mit unseren technischen Problemen zur Seite stehen konnte. Es sollte also einem erfolgreichen Abschluss morgen nichts im Wege stehen.
Jetzt ist aber genug mit Tagebuch, denn es steht noch ein bisschen Arbeit an. Andreas und Hannes haben mich so nett um meine professionelle Hilfe gebeten, dass ich nicht nein sagen konnte. Vielleicht klappt es ja mit einem Gesamtsieg für sie. Wehe wenn nicht!! ;-)



3. Tag, Donnerstag, der 27.07.2006 | Wolfach - Engen

Liebes Tagebuch,
meine erste Amtshandlung heute Morgen am Start war meiner ehemaligen Teamkollegin Gaby zum 29. Geburtstag zu gratulieren. Bis dahin war die Welt noch in Ordnung.
Heute standen zunächst wieder 15 neutralisierte Kilometer auf dem Plan, etwa 10 km flach und zum richtig warm werden 5 km mit 500 Höhenmetern. Ich war leider nicht gut in Mathe sonst würde ich hier eine geniale Statistik zum Besten geben.
Ab hier nahm das Unheil seinen Lauf und passend zu den aufziehenden Gewitterwolken sollte sich nun der Tag gestalten.
Schon vor dem scharfen Start waren die erwähnten Knieprobleme von Wolfgang nur allzu präsent. Der eigentlich eher flache und erwartet schnelle Rennbeginn brachte die Probleme schließlich richtig zum Ausbruch. Von unterwegs versuchte ich sogar unseren Betreuer Dieter über Handy zu erreichen, wohlgemerkt bei einem geschätzten Tempodurchschnitt von ca. 30 km/h im Gelände. Obwohl wir bis dahin in der Spitzengruppe lagen, versuchten wir am ersten Kontrollpunkt mit Kühlgel das Knie zu beruhigen. Ohne Erfolg.
An der zweiten Kontrollstelle zogen wir dann einen Notarzt zu Rate, da die Schmerzen mittlerweile unerträglich wurden, aber Wolfgang unbedingt die Etappe beenden wollte. Schon einige Kilometer vorher versuchte ich mich in genau diese Situation hineinzudenken, jetzt war guter Rat teuer. Letztendlich entschlossen wir uns unter zu Hilfenahme von zwei kleinen blauen Pillen die Etappe mit angezogener Handbremse zu beenden.
Aber das Übel war damit noch nicht zu Ende.
Etwa 40 km vor Rennende stand dann ein grünes Waldarbeiterumleitungsschild auf einem Waldweg und 300 m weiter kam uns eine riesige Gruppe von Radfahrern entgegen. Wie sich dann nach kurzer Diskussion herausstellte, hatten ein paar Waldarbeiter kurzerhand die Strecke verändert, allerdings ohne Schilder. Da fehlen selbst mir die Worte.
Das war aber noch nicht alles.
Auf der letzten Abfahrt stürzte ein eigentlich schwächerer Fahrer (wir haben ja durch die Notarztaktion viel Zeit verloren) so unglücklich vor mir, dass ich mich Kopfüber von meinem eigenen Fahrrad verabschieden musste. Zum Glück ging der Sturz mit einem kleinen Kratzer am Ellenbogen und einem kaputten Helm doch recht glimpflich ab. Bin gespannt, ob das Morgen einen steifen Hals gibt.
Das heutige Etappenziel in Engen haben wir aber trotzdem erreicht. Der schwerste Teil des Tages kommt aber noch. In den nächsten Stunden muss ich ganz tief in mich gehen und überlegen wie es morgen weiter gehen soll.
Wie wir uns entschieden haben, könnt ihr morgen lesen.

2. Tag, Mittwoch, der 26.07.2006 | Sasbachwalden - Wolfach

Heute bin ich schlauer, ich war dünner angezogen, es war zwar dampfig am Anfang, aber das störte mich gar nicht. Die sieben neutralisierten Kilometer zu Beginn waren heute viel angenehmer als die gestrige lange Einrollphase, obwohl wir schon über 500 Höhenmeter überwinden mussten.
Dafür gab es gleich nach dem scharfen Start ein dummes Maleur. Während des ersten steilen Anstiegs hat sich dummerweise ein kleiner Stein im Umwerfer verklemmt, d. h. gerade als die erste längere Abfahrt begann, konnte ich nicht auf das große Kettenblatt schalten, damit war die Spitzengruppe weg.
Daran zu denken die Lücke zuzufahren wäre zu Kraft raubend gewesen, zumal Wolfgang Knieprobleme hatte. Da ich im echten Leben Physiotherapeut bin, habe ich ihm gleich mal die dicken Gänge verboten. So fanden wir uns dann schließlich in einer großen Gruppe mit unseren direkten Gesamtwertungsgegnern wieder. Deshalb mussten wir auch unseren Plan kurzfristig ändern, ab jetzt war Aufpassen, Schonen und Gegner beobachten angesagt.
Die Strecke war heute nicht ganz so anstrengend wie gestern, relativ seichte bergauf und -ab Strecken und keine allzu langen Anstiege. Heute hat unser Betreuer Dieter es sogar geschafft uns auf der Strecke mehrmals zu verpflegen, was angesichts der sehr direkten Streckenwahl nur schwer möglich war.
Ein kleines negatives Erlebnis hatte ich heute leider, an einer unübersichtlichen Passage bin ich falsch abgebogen und wurde von einem gegnerischen Betreuer fröhlich weiter geschickt.
Zum Glück sind die Betreuer der Spitzenteams doch deutlich sportlich fairer eingestellt und ich wurde zum richtigen Weg zurückgeschickt.
Nach der Hälfte der Strecke ging dann auch die Vorbereitung für das harte Finale los. An den vielen kurzen Anstiegen habe ich versucht das Tempo möglichst hoch zu halten um eventuelle Attacken zu verhindern. Leider war ich damit etwas zu früh dran und konnte drei Teams nicht bei uns halten. Trotzdem war der Zeitabstand relativ gering, so dass sich in der Gesamtwertung für uns wahrscheinlich nicht sehr viel ändert, da wir als Etappenelfte in Wolfach ins Ziel kamen.
Nach der ersten Regenerationsphase und Abkühlung im Stadtbrunnen machen wir uns jetzt auf den Weg ins Hotel zum Duschen und Beine hochlegen.
Morgen wird es sehr lang, zum ersten Mal über 100 Kilometer echte Renndistanz.
Nun also bis morgen und drückt mir die Daumen, dass alle Steine auf dem Boden bleiben und meinem Partner Wolfgang das Knie morgen schmerzfrei bleibt.


1. Tag, Dienstag, der 25.07.2006 | Pforzheim - Sasbachwalden

Nachdem ich gestern alle Anmeldeformalitäten in Pforzheim erledigt hatte - dazu gehörte leider auch ein Wechsel meines angemeldeten Teampartners, der kurzfristig absagen musste und nun für ihn zum Glück Wolfgang einsprang - konnte ich endlich Feierabend machen.
Da ich nicht weit weg wohne vom Startort, konnte ich auf dem Nachhauseweg mein frisch geändertes Trikot bei meiner Schneiderin abholen.
Erster Tag: Besonders auffallend empfand ich den Etappenbeginn mit seinen 27 neutralisierten Kilometern, die alle gemeinsam zurücklegen sollten. War ja schon ganz nett, so hatten wir alle Zeit uns zu unterhalten und ich hatte auch mal wieder Kontakt zu alten Bekannten.
Richtig sollte es dann mit dem scharfen Start losgehen, wenn alle anwesend seien, zum Glück wurde diese Regelung etwas geändert, sonst hätte wir wohlmöglich eine 3/4 Stunde in der sengenden Sonne warten müssen.
Jetzt ging es also richtig los, zuerst bildete sich eine Spitzengruppe von etwa 10 Teams, darunter auch Wolfgang und ich.
Das Tempo war scharf, aber nicht übertrieben, wobei ich doch angesichts der Streckenlänge und der hohen Temperatur mich erst mal zurückfallen ließ um nicht gleich zu überziehen. Ansatzweise haben wir Teams von der Spitzengruppe wieder überholt, weil diese entweder durch Pannen oder körperlicher Schwierigkeiten zum Anhalten gezwungen wurden.
In der ersten offiziellen Rennhälfte lief alles planmäßig ruhig. Meine vorherigen Bedenken während des Rennens nicht genügend Flüssigkeiten zu bekommen, wurden relativiert, da es ausreichend Verpflegungsstationen gab.
Allerdings zeigte sich bald ein anderes Problem in der zweiten Rennhälfte, ich war definitiv zu warm angezogen, d. h. mit Kurzarmtrikot und Unterhemd, das war einfach zu viel. Leider gab es kein Wasser zum Überkippen, zum Glück war es Wolfgang nicht zu warm und er konnte mich als Wasserträger mit Wasser aus verschieden Quellen am Wegesrand versorgen.
In dieser Phase haben uns drei Mannschaften überholt, die wir jedoch wieder im heißen Finish überholen konnten, aufgrund gewonnener Zeit durch kurzzeitigem Verfahren der Teams.
In der letzten Phase waren meine Beine wieder locker und ich konnte den letzten schönen Singletrail wieder genießen. Zum Schluss konnte ich sogar wieder die Schönheit der Natur wahrnehmen, es war eine schöne Strecke über Bachläufe und herrlichen Panoramablicken.
Kraftmäßig war die Strecke anspruchsvoll, technisch leider weniger, aber vielleicht ändert sich das ja noch in den nächsten Tagen.
Mit unserer Platzierung, dem achten Platz bin ich zufrieden, aber jetzt habe ich Hunger und meine Freundin wartet auf mich, damit wir endlich Essen gehen.
Bis morgen drückt mir die Daumen.


Autor: Roe

Stefan Röschl vom Kross-Racing-Team Haspel
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